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"Endlich", Weferlingen, November 1989: "Endlich" [1/1]

INFORMATIONEN ZUM OBJEKT
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Details

22. September bis 21. Dezember 1989
Weferlingen und Grasleben
Länge: 00:03:19 min.
Urheber: Karl-Otto Riecke, Karl Heinz Gebhard

Lizenztyp: Creative Commons License

Der Grenzstreifen bei Weferlingen, der Abriss eines Wachtturms und der neue Grenzübergang zwischen Weferlingen und Grasleben; der Film wurde 2009 von der Stiftung Deutsche Kinemathek digital restauriert.

Abgebildet

Blume, DDR-Grenzsäule, Grabmal, Grenzsoldat, Grenzstreifen, Grenzübergang, Kreuz, Mehrere Personen, Natur, Polizist, Stacheldrahtzaun, Verkehrsschild, Volkspolizist, Wachtturm, Überwachungskamera

Personen/Organisationen

Deutsche Volkspolizei, Grenztruppen der DDR, Polizei (BRD)

Orte

Oebisfelde-Weferlingen

Text im Bild

Deutsche / Demokratische / Republik

Endlich!

1961 1989

Schutzstreifen / Betreten und Befahren verboten!

Herzlich / willkommen / in / Grasleben

Ein Film des / Filmstudios Weferlingen / Kamera: Karl-Otto Rieke / Ton: Karl-Heinz Gebhardt

Alle Bilder des Albums

Erinnerung

"Als leidenschaftlicher Filmamateur gründete ich Ende der fünfziger Jahre zusammen mit meinem Kollegen Karl-Otto Riecke das Filmstudio Weferlingen, das dem Amateurfilmstudio Magdeburg angeschlossen war. Wie in der DDR üblich, drehten wir auch Filme im Auftrag beispielsweise des Forstwirtschaftsbetriebes, der Sand- und Tonwerke oder der Gewerkschaft, die wir zu Wettbewerben einsandten.

Doch im Sommer 1989 entstand ganz ohne Fremdauftrag ein gemeinsamer Film über die Grenze zwischen Weferlingen und dem niedersächsischem Grasleben. Ich war 19 Jahre lang als Elektrikermeister Angehöriger der Grenztruppen der DDR und mein Kollege Karl Otto Riecke war als privater Schmiedemeister enger Mitarbeiter der Grenztruppen. Deshalb hatten wir die Möglichkeit, einen Teil der Grenzsicherungsanlagen zu betreten.

Die Staatssicherheit beschlagnahmte unseren Film noch an der Grenze und vor Fertigstellung. Doch unser Regimentskommandeur ermunterte uns, den Film ein zweites Mal zu drehen. Auch diesmal war die Grenze noch nicht geöffnet, aber wir konnten sie unter Kontrolle der Grenzer passieren. Dieser zweite Film handelt von den Grenzsperranlagen, den Stolperdrähten, dem Niemandsland und dem Abriss der durch Unwetter und Blitzschlag in Mitleidenschaft gezogenen Grenztürme. Wir wollten einmal zeigen, wie es bei uns an der Grenze ausgesehen hat, denn Weferlingen befand sich ja im 'Sperrgebiet'. War es für die DDR-Bürger schon aufwendig genug, vier Wochen vor einem geplanten Besuch die erforderliche Sondergenehmigung zu beantragen, so blieb der Ort den Bundesbürgern völlig verschlossen. Wer also wusste schon, wie es in Weferlingen und Umgebung aussah?

Als sich dann am 9. November der Mauerfall ereignete und am 15. November der Metallgitterzaun in Weferlingen geöffnet wurde, so dass die Menschen am 18. November tatsächlich zwischen Weferlingen und Grasleben durch das Tor auf die jeweils andere Seite gehen konnten, filmten wir auch diesen glücklichen Moment und fügten ihn unserem Film an, dem wir den Titel 'Endlich' gaben. Ich war für den Ton verantwortlich, Karl Otto Riecke für die Kamera.

Dass unser Film solche großen Kreise ziehen würde und in Cottbus beim 21. Amateurfilmwettbewerb der DDR mit dem dritten Platz ausgezeichnet, in Schweden auf einem Amateurfilmwettbewerb und in Frankreich im Fernsehen gezeigt werden würde, damit hatten wir nicht gerechnet."

Karl Heinz Gebhard (Weferlingen)