Über unsAnmelden/RegistrierenEnglish

Siebte Massendemonstration in Plauen, November 1989: Demonstration in Plauen [1/4]

INFORMATIONEN ZUM OBJEKT
Bookmark and Share

Details

November 1989
Plauen
Urheber: Martin Flach

Lizenztyp: Creative Commons License

Symbolisches Begräbnis der SED bei einer Demonstration in Plauen, wo am 7. Oktober 1989 die erste Großdemonstration in der DDR stattfand, die nicht von Sicherheitskräften aufgelöst werden konnte. Von diesem Zeitpunkt an fanden hier an jedem Samstag bis zu den ersten freien Wahlen am 18. März 1990 Demonstrationen statt. Siehe auch Wikipedia: Montagsdemonstrationen 1989/1990 in der DDR, Stand 23. April 2009

Abgebildet

Auto, Protestschild, Sarg

Kontext

Demonstration, Kommunalwahl, Nationalflagge, Nationalhymne, Opportunismus, Unterschriftenaktion, Wahlfälschung, Wir sind ein Volk!

Personen/Organisationen

Deutsche Volkspolizei, Ministerium für Staatssicherheit, Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

Orte

Plauen

Text im Bild

SED

Faschismus / Sozialismus / Kommunismus / Nein / Soziale Demokratie / Ja!

Alle Bilder des Albums

Erinnerung

"Meine Aufzeichnungen vom November 1989:

'Lasst uns Dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland!' – der längst vergessene Text der Nationalhymne der DDR. Auf der siebten machtvollen und friedlichen Massendemonstration tausender Plauener Bürger war dieser Gedanke überall präsent, auf Plakaten und Spruchbändern formuliert. Aus dem ursprünglichen 'Wir sind das Volk' wurde 'Wir sind ein Volk'! Wo kamen denn auf einmal die zahllosen schwarz-rot-goldenen Fahnen her?

Wir haben mit immer mehr Massendemos in Ostdeutschland seit dem Auftakt zum '40. Geburtstag der DDR' schon unheimlich viel erreicht, und noch viel mehr muss erreicht werden! Wer hätte es noch vor Wochen für möglich gehalten, dass die innerdeutsche Grenze, der 'antifaschistische Schutzwall' einfach weg ist? So finden wir uns auf einmal in einer total veränderten Umwelt wieder! Aber neue Fragen erfordern neue Antworten, die wir oft nicht gleich richtig geben können. Ich meine: Nicht blindwütige Rache für 40 Jahre Polizeistaat mit Mauer, Stacheldraht, Schießbefehl, Lügen, Selbstbeweihräucherung und verfehlter Wirtschaftspolitik darf unser Ziel sein. Nein, echte konstruktive Aufbruchstimmung zu einer wirklichen Wende ohne 'Wendehälse'. Denn zu viele, die gestern noch den Phrasen eines Herrn Honecker und seiner Clique Beifall spendeten, wollen heute 'Väter der Wende' sein! Die Transparente der Plauener Demo im November '89 könnten kaum deutlicher sein. Wir sind nicht mehr bereit, das über das ganze Land nach wie vor gezogene 'Spinnennetz' der SED zu akzeptieren und mit unglaublichen Privilegien zu versehen. Nach und nach kommen ja Wahrheiten ans Licht, die anscheinend erst die Spitze des Eisberges darstellen.

Wir haben tausende Unterschriften gesammelt, die dem Volksbegehren zur schonungslosen Aufdeckung des Wahlbetrugs der SED zur letzten Kommunalwahl Nachdruck verleihen sollen. Mit diesem Wahlbetrug kam ja auch unser Plauener Stadtparlament um den Oberbürgermeister Dr. Martin ans Ruder. Da angeblich alle Wahlunterlagen 'rechtmäßig und zwischenzeitlich vernichtet sind' bleibt der Rat im Amt! Zumal sich unser Stadtparlament in einer geschlossenen Sitzung bis auf eine Ausnahme selbst das Vertrauen ausgesprochen hat! Ich meine: Ein Hohn auf die Demokratie!

Ebenso schleppend kommen die Ermittlungen zu den in Plauen und anderswo stattgefundenen schweren Übergriffen der 'Volks'-Polizei und des Staatssicherheitsdienstes gegen friedliche Demonstranten vom 7. Oktober 1989 voran. Nach einigen, nicht näher bezeichneten angeblichen 'Disziplinarverfahren' scheinen die Verantwortlichen der Meinung zu sein, 'alles Erforderliche getan zu haben'. Wenn diese Verantwortlichen noch Augen und Ohren haben – die Demo im November 1989 müsste es ihnen nur zu deutlich gezeigt haben: Wir haben nichts vergessen! Ich meine: Es gibt noch viel zu tun – packen wir's an!

Wir Bürger der DDR haben seit dem Herbst 1989 zunehmend gelernt, aufrecht zu gehen, und wir ducken uns nicht mehr, damit unsere Nationalhymne wieder einen Sinn bekommt, denn: 'Wenn wir brüderlich uns einen, schlagen wir des Volkes Feind und die Sonne, schön wie nie über Deutschland scheint.'"

Martin Flach (Plauen)

Original-Bildunterschrift

"Die SED wird zu Grabe getragen"