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Plasteblumen, Druschba und Süßtafel, Februar 1990: Sowjetische Soldaten vor dem Meeresmuseum in Stralsund [8/10]

INFORMATIONEN ZUM OBJEKT
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Details

Februar 1990
Stralsund, Katharinenberg
Urheber: Mona Filz/Fortunes Berlin

Lizenztyp: Keine Creative Commons

Aus dem Album

Ausstellungsthema: Begegnungen und Erkundungen

Abgebildet

Kamera, Mann, Mehrere Personen, Pflanze, Soldat, Straßenpflaster

Kontext

Alltag, Besuch, Diskothek, Familie, Jugendlicher, Reise

Orte

Katharinenberg, Stralsund

Alle Bilder des Albums

Erinnerung

"Ein Jugendzimmer in Malchin, Soldaten vor dem Meeresmuseum in Stralsund, Schokolade als Reiseproviant für die Zugfahrt nach Leipzig: Die Fotos sind im Februar 1990 anlässlich meines Aufenthaltes in der DDR entstanden. Ich besuchte für einige Tage meine Verwandten in Mecklenburg-Vorpommern. Bei dieser Gelegenheit fotografierte ich eher unspektakuläre Details des Alltags und versuchte, ungestellte Bilder aus den vorgefundenen Situationen, den Wahrnehmungen und Begegnungen zu machen. Dabei stieß ich auf unerwarteten Widerstand. Besonders die fünfjährige Susanne protestierte: Sie wollte lieber mit mir spielen als zum Subjekt meiner Fotos werden.

Zunächst hatte man mich als 'Westfrau' misstrauisch beäugt, weil ich nicht blondiert war, keinen Pelzmantel und keine roten Fingernägel trug. Diese Enttäuschung verhinderte allerdings nicht, dass ich doch noch in die Dorfdisko mitkommen durfte, zu der ein klappriger LPG-Bus oder ein getunter Trabi über holprige Steinplatten und unbeleuchtete Wege fuhr. Sogar Tante Elfriede hatte vor dem Spiegel ihren Kajalstift gezückt. Zwischen Holz imitierenden hellbraunen Resopalplatten und unter farbigen Glühlämpchen rockte die örtliche Jugend zum Sound mir unbekannter Diskohits aus den achtziger Jahren.

Gefallen haben mir die konspirativ organisierten nächtlichen Fahrten an die Ausflugsorte, die von älteren Herren getragenen Ska-Hüte aus Lederimitat, die entschlossenen Gesichtsausdrücke der russischen Soldaten auf den zahlreichen Heldendenkmälern und die wippenden Pferdeschwänze der pragmatischen Frauen."

Monika Filz (Dortmund)