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Kaufhalle in Luckenwalde, 12. April 1990: In einem Supermarkt [2/4]

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Details

12. April 1990
Luckenwalde
Urheber: Claudia Zundel

Lizenztyp: Creative Commons License

Abgebildet

Frau, Getränk, Handelsware, Lebensmittel, Mehrere Personen, Supermarkt

Kontext

Konsum, Solidarität, Warteschlange

Text im Bild

[Tchibo] / frische Bo[hnen.]

Alle Bilder des Albums

Erinnerung

"'Passen Se uff, da is jerade 'n Neja jekommen. Die klaun alle.'
Ich war schockiert. Schon der Begriff Neger war bei uns im Westen verboten. Als Kleinkind hatte ich zwar noch ein 'Negerpüppchen' gehabt, das ich über alles liebte, aber nach der Einschulung lernten wir die Bezeichnung 'Farbige'. Wir, die 'guten' Deutschen im Westen.

Hoher Andrang. Und sie standen brav an, in der Schlange, die Ossis. Alle probierten sie den Tchibo-Kaffee aus dem Plastikbecher. Ihr Lebensmotto: 'Wie du mir, so ich dir' ließ sie sich vermutlich verpflichtet fühlen, das Pfund zum Preis zwischen 29,00 und 39,00 Ostmark zu kaufen. Das nutzte ich derzeit grenzenlos aus. Bilanz: Guter Umsatz meinerseits – 360 Pfund Kaffee verkauft. Fast schon überkamen mich Schuldgefühle.

Die Hotels waren alle knüppelvoll, restlos belegt. Über Bekannte fand ich immer eine Privatunterkunft im Osten. Kostenlos. Die Menschen hier waren sehr viel hilfsbereiter. Die Nachbarn kannten einander und lebten in einem Mietshaus wie man so in einer Großfamilie lebt. Man half sich wechselseitig mit einer Selbstverständlichkeit, die uns im Westen unbekannt war."

Claudia Zundel