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Flucht über Ungarn nach Westdeutschland, August/September 1989: Nach einem missglückten Fluchtversuch zurück am Balaton [6/62]

INFORMATIONEN ZUM OBJEKT
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Details

23. August 1989
Ungarn, Balatonlelle
Urheber: Elke Schmitz

Lizenztyp: Creative Commons License

Abgebildet

Familie, Kind, Mehrere Personen, Zelt

Kontext

Enttäuschung, Flucht, Lager (Quartier)

Personen/Organisationen

Malteser Hilfsdienst

Orte

Balaton

Alle Bilder des Albums

Erinnerung

"Fluchtbeginn am Balaton

Zur Tarnung unserer Ausreisepläne sind wir im August 1989 mit einer 'Jugendtourist'-Reise an den Balaton gefahren. Zu diesem Zeitpunkt war es unsere feste Absicht, über die 'grüne Grenze' nach Österreich zu fliehen.

Bei unserem Fluchtversuch am späten Abend des 22. August 1989 haben uns ungarische Grenzer aufgegriffen, da wir, offensichtlich ortsunkundig, direkt auf eine Grenzstation zufuhren. Man organisierte einen Dolmetscher, es wurden Protokolle angefertigt und man entließ uns, von einem Armee-Jeep eskortiert, aus dem Grenzgebiet.

Auf den Fotos vom nächsten Tag sieht man uns vielleicht die Leere und Ratlosigkeit an, die wir an den folgenden Tagen empfanden.

Budapest und Csillebérc

Nach diesem Fluchtversuch, von dem unsere Campingnachbarn nichts mitbekamen (mitbekommen durften), entschieden wir uns, nach Budapest zu gehen. Offiziell wollten wir nur über das Wochenende zu Freunden. Am Montag, den 28. August 1989 haben wir uns in Zugliget an die Vertreter der deutschen Botschaft gewandt und unsere Aufnahme sowie den deutschen Pass beantragt. Der Platz um die Kirche in Zugliget war zu diesem Zeitpunkt bereits überfüllt. Wir kamen nach Csillebérc, wo gerade das 2. Lager vom Malteser Hilfsdienst eingerichtet wurde.

Was man auf unseren Fotos nicht sieht, es war für August außergewöhnlich kalt in Budapest. Das Pionierferienlager lag auf ca. 400 Metern Höhe in den Budaer Bergen und es regnete die ersten Tage fast durchgehend. Die Moral war entsprechend.

Wir sind dann oft nach Budapest runtergefahren, um die Zeit des Wartens zu überbrücken und uns etwas aufzuwärmen. Einige sonnige Nachmittage haben wir auf der Budapester Fischerbastei verbracht. Auf den Fotos sehen wir eher aus wie Touristen, nicht wie Flüchtlinge. Am 30. August, an dem Tag, an dem wir unsere Pässe bekamen, waren wir in einem Vergnügungspark auf der Margareteninsel. Die Stimmung war schon viel besser!

Leider gibt es keine Bilder von der mit Zetteln über und über bedeckten Wand am zentralen Treffpunkt. Ich habe mich nie getraut, die Essensausgabe, den Informationspunkt oder die Malteserzelte zu fotografieren. Wenn man einen Fotoapparat hob, wurden die meisten Leute hysterisch aus Angst vor Stasi-Spitzeln.

Ausreise am 11. September 1989

Worauf wir 27 Jahre gewartet hatten, ging plötzlich ganz schnell. Wir bauen unsere Zelte ab und als wir mittags das Lager verließen, waren wir schon fast die Letzten. Um 16.00 Uhr erreichten wir den Grenzübergang Nickelsdorf in Österreich. Man fährt durch - das war's.

Wien

Nach der ersten Nacht im 'Westen' frühstücken wir auf dem Parkplatz des Gutshofes Laxenburg zwischen unseren Autos. Einen Platz auf dem Campinggelände konnten wir nicht bezahlen. Wir stießen aber auf viel Verständnis und großes Interesse. Neugierig aber unsicher schauten wir uns Wien an. Wir lernten freundliche Leute kennen und durften auf dem Gelände eines Jugendheimes noch eine Nacht verbringen, bevor wir weiter in das Aufnahmelager nach Passau fuhren."

Elke Schmitz

Original-Bildunterschrift

"Bei unserem Fluchtversuch am späten Abend des 22. August 1989 haben uns ungarische Grenzer aufgegriffen, da wir, offensichtlich ortsunkundig, direkt auf eine Grenzstation zufuhren. Man organisierte einen Dolmetscher, es wurden Protokolle angefertigt und man entließ uns, von einem Armee-Jeep eskortiert, aus dem Grenzgebiet. Die Fotos sind am folgenden Tag entstanden und vielleicht sieht man uns die Leere und Ratlosigkeit an, die wir an den folgenden Tagen empfanden."