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Erkundungsfahrten nach Ost-Deutschland: Brandenburg an der Havel [12/30]

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Details

17. Februar 1990
Brandenburg an der Havel, Nähe Dom
Urheber: Dagmar Lipper

Lizenztyp: Creative Commons License

Blick auf den Turm des romanischen Doms St. Peter und Paul in Brandenburg an der Havel

Abgebildet

Eine Person, Kirche (Bauwerk), Mann, Mülltonne

Kontext

Baufälligkeit, Freizeit, Reise

Orte

Brandenburg an der Havel

Alle Bilder des Albums

Erinnerung

"Nachdem die Mauer geöffnet war (und wir völlig ohne Probleme in den Osten konnten), haben wir wie viele Westberliner angefangen den Osten zu erkunden. Berlin war wieder eine Stadt mit Umland – es gab viel zu entdecken. Plötzlich nahm man die Namen der Ausfahrten an der Transitstrecke wahr und schaute nach, was das für ein Ort ist. Früher hatte ich sie immer ausgeblendet, weil sie ja eh unerreichbar waren. Lustig war es das ein oder andere Mal, wenn man am Montagmorgen ins Büro kam und erst einmal die Touren-Erfahrungen des Wochenendes ausgetauscht wurden. Man gab sich gegenseitig Empfehlungen, was sich anzuschauen lohnt oder holte sich die Tipps aus den Tageszeitungen.

Da mein Freund und ich beide ziemlich neugierig sind und auch auf Urlaubsreisen viel erkunden, war es für uns selbstverständlich, dass wir an den Wochenenden der Folgemonate loszogen, um die Umgebung zu entdecken: Ost-Berlin und dann das Land Brandenburg und weiter. Es hat unglaublich Spaß gemacht, diese märkische Landschaft und ihre Geschichte zu erkunden, die man uns in der Schule in Nordrhein-Westfalen ja auch nicht vermittelt hatte. Seitdem weiß ich auch, wo der berühmte Birnbaum des Herrn Ribbeck steht. Gefallen hat mir auch, komplette Altstädte zu entdecken, von denen es dort so viele gibt. Berlin und das Ruhrgebiet haben ja im 2. Weltkrieg viel eingebüßt – nicht so die märkischen Städte.

Natürlich haben wir auf unseren Ausflügen auch Bedrückendes gesehen. Der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers in Sachsenhausen war ziemlich belastend, da die Tötungsmaschinerie noch so deutlich gezeigt wurde.

Auch das sprichwörtliche 'Ruinen-schaffen-ohne-Waffen' bekamen wir oft sehr drastisch vorgeführt. Der Zustand der Stadt Brandenburg war damals sehr, sehr traurig. Eine komplette Altstadt, die im Krieg nicht zerstört wurde, ging durch Nichtstun an der Bausubstanz vor die Hunde. Schloss Rheinsberg (im Landkreis Ostprignitz-Ruppin), das damals ein Sanatorium war, war ebenfalls in einem beklagenswerten Zustand. An der Rückseite lag an der weißen Hauswand ein großer Kohlenhaufen zum Heizen, was auch sicher nicht sehr effektiv war, da nasse Kohle nicht wirklich gut brennt.

Später zogen wir dann den Kreis immer weiter und sind an langen Wochenenden auch ins Elbsandsteingebirge und bis zur Ostsee gefahren. Das war dann noch einmal eine neue Erfahrung, in Gästezimmern und Appartements zu übernachten, die halt anders waren als im Westen, aber nicht schlechter. Spannend waren dann die Unterhaltungen mit den Gastgebern über all die Veränderungen."

Dagmar Lipper (West-Berlin)